Posamente, wer kennt sie nicht?

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In der Altstadt von Fès fahren keine Autos. Jeder geht hier zu Fuß und ist mit irgendwas beschäftigt. Und in den nicht so geschäftigen Randbezirken fällt der Blick auf Kleinigkeiten und da kann man sogar auf dem Boden einiges entdecken. Neben der Zigarettenkippe z.B. den Rest einer Garnrolle.

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Passt die nicht zu den Fäden an den Nägeln in der Wand? Oder auch zu denen an Baumästen?

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Dann ein surrendes Geräusch. Kurz darauf ein Mann, der im schnellem Lauf von einer Garnrolle einen gold schimmernden Faden abrollt. Am Ende der Gasse wickelt er das Ende des Fadens um einen Nagel in der Wand und läuft seinen Weg wieder zurück. Das wiederholt sich, bis ein Bündel von vier Fäden stramm zwischen zwei Nägeln gespannt ist. Bis dahin habe ich den Sinn nicht verstanden. Aber dann nimmt er einen Elektromotor in die Hand, der an ein kaum isoliertes Kabel angeschlissen ist. Blitzschnell hat er ein Fadenbündel von einem der Nägel abgerissen und um einen Haken am Motor gewickelt. Dann werden die dünnen Fäden zu einem dickeren versponnen. Anschließend werden mehrere der dicken Fäden zu noch dickeren Kordeln versponnen, aus denen dann Zierkordeln für Posamente werden. Mit meinem freundlichen Protagonisten habe ich mich nur wortlos verstanden, aber den ersten Arbeitsgang des posamentierens habe ich also kennengelernt und seit dem verbinde ich dieses Erlebnis mit jedem Nagel an der Wand. Am Mantelsaum des Posamentierers kann man übrigens sehen, wozu die fertigen Borten verwendet werden können.

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